Folge 1

Die Ankunft



 
Russland- Belgorod 


Es war genau 1:30 Uhr als ein lauter Knall im Wald an der Worskla widerhallte. Ein zylinderförmiger, schwarzer Gegenstand von 3 Meter Länge bohrte sich in den feuchten, modrigen Waldboden. Die heiße Außenhaut des Objektes entfachte augenblicklich ein loderndes Feuer. Herumliegende Blätter und Äste tanzten wild umher und ließen den Ort des Geschehens in ein rötliches Licht erstrahlen. Wo soeben noch üppige Vegetation und dichte Bäume dominierten, brannte das Feuer alles nieder. Am Ende umfasste der Einschlagskrater einen Durchmesser von zirka 150 Metern. Das Objekt bewegte sich und kippte mit einem blechernen Knarren auf die Seite. Dabei brach ein Teil der Außenhaut auf, der den unbekannten Inhalt augenblicklich frei setzte. Eine schwarze, homogene Masse schlängelte sich mühselig durch das flammende Inferno und verschwand völlig lautlos im dunklen umliegenden Wald. 


Gregor Maleski schreckte aus seinem Schlaf auf. 
>> Was war das? <<, fragte sich Gregor. Hatte er soeben nur geträumt oder klapperten gerade seine Teller und Tassen im Küchenschrank? 
Er setzte sich auf und lauschte angespannt. Eine kleine, spürbare Vibration ließ Gregor hellwach werden. Er tastete vorsichtig nach dem Feuerzeug auf seinem hölzernen Nachttisch und schwang sich schwerfällig aus seinem Bett. Er lebte bereits seit zwei Jahren als Aussteiger im Worskla Wald und hatte schon etliche Erfahrungen mit Starkregen, Sturm oder gar wilden Tieren gemacht, nur ein Erdbeben in dieser Region konnte er sich nun wirklich nicht vorstellen. Er zündete eine kleine Petroleumlampe an, die er vor dem Schlafengehen direkt neben das Bett gestellt hatte. Er zog sich hastig seine Jeans an und streifte sich einen abgenutzten Pullover über. Sein Schlafraum flackerte in einem orangefarbenen Licht, welches ausreichte, um sich grob zu orientieren. Die Vibration endete abrupt. Irritiert lauschte Gregor der bedrückenden Stille, nichts geschah. Um sicherzugehen, dass nicht doch noch ungebetene Gäste seine Holzhütte unsicher machten, schnappte er sich Betty, seine zweiläufige Schrotflinte. Er prüfte die Patronenkammern und entsicherte die Waffe. Er schlich leise in den Hauptraum seiner Hütte und hob vorsichtig die Lampe, um jeden Winkel gut ausleuchten zu können. Dabei schwenkte er Betty vorsichtig von rechts nach links. Tatsächlich waren einige Teller in seine Waschschüssel hineingerutscht, Besteck lag auf dem Boden. Die Eingangstür war nach wie vor verschlossen, der schwere Riegel noch immer in seiner massiven Halterung. Gregor lehnte die Waffe gegen den Stuhl und stellte die Lampe vorsichtig auf den Tisch. Als er gerade damit beschäftigt war, sich seine Wanderstiefel anzuziehen, knallte etwas mit voller Wucht gegen die Eingangstür. Vor Schreck taumelte Gregor rückwärts gegen den Tisch und fegte mit seinem Arm die Lampe herunter. Sofort bildete sich ein kleiner, blauer Flammenfilm und breitete sich auf dem Boden aus. 
>> Scheiße!<< fluchte Gregor leise und fing an, wild auf dem Feuer herumzutrampeln. Zusätzlich griff er nach seiner Arbeitsjacke und schlug immer und immer wieder auf die brennende Flüssigkeit. 
Krach....erneut vibrierte die Eingangstür, und ein Röhren hallte von der anderen Seite wider. 
>> Ich bin bewaffnet, wer oder was du auch immer bist <<, schrie Gregor der Tür entgegen, noch immer beschäftigt, dass entzündete Petroleum im Keim zu ersticken. Noch ein Versuch war nötig bis das Feuer erlosch und er plötzlich regungslos im Dunkeln stand. Er tastete nach Betty und zielte direkt auf die massive Holztür, die zwischen ihm und dem ungebetenen Gast lag. Es war totenstill. Kein Geräusch, keine Bewegung. Gregor atmete flach, sein Herz raste. Er senkte das Gewehr und überlegte. Nachts in der Wildnis herumzustolpern war seine schlechteste Option für heute. Noch immer war etwas da draußen, das konnte er spüren, und solange er in der Waldhütte blieb, konnte nichts rein oder raus. Die Fensterläden waren ebenfalls fest verschlossen. In ein paar Stunden würde der Tag anbrechen und sich seine Chancen deutlich erhöhen. Ein monotones Geräusch unterbrach die Stille. 
Klack, klack, klack. 
Gregor starrte erschrocken zur Decke. 
Etwas tapste über das Dach. Nach jedem Schritt ächzte das Gebälk. 
>> Das ist niemals ein Tier, was ist das? << fragte er sich. 
Dann traf es ihn wie ein Schlag. 
>> Scheiße der Kamin! << 
Er setzte sich in Bewegung und tastete sich zu seinem Schlafraum zurück. Er fand zum Glück das Feuerzeug an der gewohnten Stelle, und nachdem er in den Hauptraum zurückgekehrt war, entfachte er augenblicklich das Papier und die eingestapelten Holzscheite im gemauerten Ofen. Ein markerschütternder Schrei ertönte vom Dach und weitere schnelle Schritte huschten über Gregor hinweg. Eine erdrückende Stille machte sich breit. Seit einer Stunde war nichts mehr passiert, und Gregor sorgte dafür, dass das Feuer immer ausreichend Nahrung hatte. Fast wäre ihm heute seine Nachlässigkeit zum Verhängnis geworden. 
Er musste Vorkehrungen treffen, sollte er abermals Besuch bekommen. Tief in Gedanken versunken wurden seine Augenlider immer schwerer, bis er völlig erschöpft einschlief. 


Es war bereits Vormittag als Gregor aus seinem Schlaf hoch schreckte. Noch immer hatte er seine Waffe auf dem Schoss liegen, die ihm fast auf den Boden geknallt wäre. Reflexartig bekam er sie zu fassen und seufzte erleichtert. Der Raum war stickig, das Feuer bereits vor Stunden erloschen. 
Jetzt war er hellwach. Noch immer roch die Luft nach kaltem Rauch, und es war dunkel. Ihm fiel sein Feuerzeug ein, das er zuvor in seine Hosentasche gesteckt hatte. Die kleine, bläuliche Flamme lotste ihn zu einer kniehohen Kommode, in der er Kerzen aufbewahrte. Er nahm sich welche heraus, zündete sie nacheinander an und verteilte sie gleichmäßig im Raum. Es musste Tag sein, Gregor hörte Vögel zwitschern, und ein paar schwache Lichtstrahlen pressten sich hier und da durch undichte Wandbohlen. 
Er musste jetzt überlegt handeln. Was erwartete ihn da draußen, wenn er jetzt die Tür öffnen würde? Die geschlossenen Fensterläden boten Schutz, das dünne Glas dahinter allerdings nicht. 
>> Warte....Spiegel, ich brauch einen Spiegel! <<, dachte Gregor laut nach und ging mit einer Kerze in der Hand in seinen Waschraum. Er nahm das Glas von der Wand und wischte eine feine Staubschicht von der Oberfläche. 
>> Das muss reichen!<<, murmelte Gregor vor sich hin und ging zur Eingangstür. Betty stellte er neben die Wand. Er entfernte vorsichtig den schweren Holzriegel und öffnete die Tür nur einen Spalt, gerade groß genug, um den Spiegel vorsichtig durchzuschieben. Dabei veränderte er seine Position und kippte ihn mal nach rechts mal nach links. Er sah nur Bäume, Waldboden und eine rote Schleifspur, die zu seiner Tür führte. Gregor knallte augenblicklich die Tür zu und verriegelte sie wieder. 
Zitternd stand er da, und langsam machte sich Panik in ihm breit. Er musste hier weg und das sofort. 
Er packte notdürftig ein paar Vorräte in seinen Rucksack und zog sich seinen gefütterten Parka über. Die Nächte waren noch kalt, und an den Gedanken daran, in absoluter Dunkelheit im Wald herumzuirren, ließ Gregor erschaudern. Er atmete noch einmal durch, nahm sich die Schrotflinte und bewegte sich erneut zum Ausgang. Nachdem er den Holzriegel zur Seite geschoben hatte, öffnete er vorsichtig die Tür, um dann ruckartig herauszutreten und in alle Richtungen zu zielen. Augenblicklich blieb sein Blick an einem zerfetzten Tierkadaver hängen, der 50 m weiter vor ihm lag. Es sah nach einem Hirsch aus, allerdings war er nicht vollständig. Wo zum Teufel war sein Kopf geblieben? Die rote Spur, die zu seiner Hütte führte, endete an der massiven Holztür. Es waren Absplitterungen am Holz zu erkennen, selbst winzige Fellbüschel klebten noch samt Blut auf der rauen Oberfläche. War das etwa jenes Tier, was ihm letzte Nacht solch einen Schrecken eingejagt hatte? Aber vor was war es geflüchtet? Er folgte den Blutspritzern am Holz, und sein Blick blieb auf einen entstellten Hirschkopf kleben, der auf dem Dach abgelegt worden war. Er hatte das Gefühl als starrten ihn die braunen Augen noch immer an. Jetzt hielt es Gregor nicht mehr aus, und er rannte los. Ihm blieben noch sieben Stunden Zeit, um die Stadt Golovchino zu erreichen. Er musste sich südöstlich orientieren. Leider war das die Richtung, in der die Blutspur führte. Er hielt das Gewehr nach vorn und musste aufpassen, dass er nicht über die Wurzeln und Stümpfe stolperte, die sich ihm immer wieder in den Weg stellten. Jetzt verlief die Blutspur weiter rechts, bis sie gänzlich im grünen Dickicht verschwand. Gregor atmete auf. Jetzt konnte er nur hoffen, dass er in Sicherheit war und es eine logische Erklärung für diesen Alptraum gab, den er gerade durchlebte. Nach weiteren 30 Minuten veränderte sich jedoch Gregors Stimmung als er auf einen weiteren toten Körper stieß. Es handelte sich um einen Wolf, dem mit blanker Gewalt, die Gedärme herausgerissen wurden. 
In ihm stieg Übelkeit auf, und er kotze sich die Seele aus dem Leib. Je weiter er nach Süden kam, desto grausamer waren die Tierkadaver, die seinen Weg pflasterten. Mal fand er Organe, abgerissene Gliedmaßen oder entstellte Körper, die von mehreren großen Löchern durchzogen waren. Selbst auf manchen Bäumen klebten Fleischreste, und der Gestank von Verwesten zogen ihm unaufhaltsam in die Nase. Noch etwas hatte sich verändert. Die Bäume waren zum Teil verkohlt, es sah fast so aus als ob sie jemand in Brand gesteckt hatte. Außerdem waren an diesem Ort keinerlei Geräusche. Wo verdammt nochmal waren die Vögel? Selbst die Sonne schien diesen Wald zu meiden. War es hier warm oder bildete sich Gregor das nur ein? Nachdem er einen verkohlten Baum berührte, zog er reflexartig seine Hand zurück. 
>> Scheiße, der ist ja noch warm!<< , bemerkte er beiläufig. Je weiter er ging, desto stickiger wurde die Luft, und langsam bildeten sich feine Schweißtropfen auf seiner Stirn. Er öffnete seinen Parka. 
Ein gequälter, schmerzerfüllter Schrei hallte durch den Wald und ließen das Blut in Gregors Adern gefrieren. 
Ruckartig drehte er sich nach links und hockte sich hin. Er war sich sicher, dass es aus dieser Richtung kam. In der Ferne krachte es, Äste zerbrachen als ob sich etwas Großes, Massives durch das Unterholz bewegte. Dann sah er einen gewaltigen Hirsch, der direkt auf ihn zusteuerte. Zuerst konnte Gregor keine Details entdecken. Je näher ihm das Tier kam, desto mehr sah er seine tiefen, blutigen Fleischwunden. Gregor legte das Gewehr an, zielte und schoss erst, nachdem das Tier noch 20 m entfernt war. Ein direkter Schuss in den Kopf stoppte den massigen Körper augenblicklich. Das Tier kippte nach hinten, seine Glieder zuckten noch heftig, bis schließlich sein Körper reglos am Boden lag. 
Mit dem Gewehr im Anschlag näherte sich Gregor dem Hirsch. Sein Körper war in einem schlechten Zustand. Die Wunden sahen aus der Nähe betrachtet noch viel grausamer aus. 
>> Was für eine Scheiße läuft hier? << , dachte er laut nach. 
Hinter ihm bewegte sich etwas im Unterholz. 
Gregor drehte sich ruckartig um und feuerte eine weitere Salve in den Wald. 
Bevor er begreifen konnte, was soeben geschehen war, kam ein weiterer Hirsch rechts aus dem Gebüsch gesprungen und fegte ihn von seinen Beinen. Wie eine Schaufensterpuppe wirbelte Gregor umher und schlug hart auf dem Waldboden auf. Immer wieder trat das Tier auf ihn ein. Gregor schütze seinen Kopf, dennoch brachen durch die Wucht der Tritte etliche Knochen und Gelenke in Gregors Körper. Plötzlich ließ das Tier von ihm ab und schüttelte sich aus Leibeskräften. Der Hirsch bäumte sich auf und kippte seitlich auf den Boden. Der massive Körper zuckte, es entwichen laute, qualvolle Schreie bis seine Bewegung augenblicklich erstarb und sich das Tier nicht mehr rührte. Gregor lag einfach nur da, und seine schweren Verletzungen ließen ihn in eine tiefe Ohnmacht fallen. 
Wie lange er das Bewusstsein verloren hatte, konnte Gregor nur erahnen, ein dröhnender Kopfschmerz holte ihn zurück in die Realität. Noch immer musste es Tag sein, allerdings war ihm bitterkalt, vermutlich die Nachwirkung eines Schocks. Er lag auf dem Bauch und öffnete langsam seine Augen. Noch immer konnte er nicht verstehen, was soeben geschehen war. Er atmete kurz durch und versuchte sich aufzurichten. Ein stechender Schmerz stoppte augenblicklich sein Vorhaben. Er drehte sich von der Bauchlage aus auf den Rücken und atmete tief ein und aus. Vorsichtig richtete er seinen Oberkörper auf und stützte sich dabei mit beiden Händen ab. Er sah seine Beine, die in einem unnatürlichen Winkel verdreht waren. Er versuchte die Zehen zu bewegen, jedoch spürte er sie nicht mehr. Ihm kamen die Tränen. Er hatte keine Chance, in diesem Zustand Hilfe zu holen. Der tote Hirsch fing an zu zappeln. Irgendetwas bewegte sich in dessen Körper, und es wurden scharfe Konturen eines länglichen, schlangenähnlichen Wesens sichtbar. Die Haut dehnte sich unnatürlich als ob etwas ausbrechen wollte. Gregors Tränen wurden stärker. Er zog sich mit voller Kraft nach hinten weg, bis ein Baum sein Vorhaben stoppte. Er versuchte leise zu atmen und das Zittern zu unterdrücken. Dann sah er es. Aus dem Körper des Tieres sickerte eine metallene Flüssigkeit, die sich auf dem Boden sammelte. Ein Hustenreiz überkam Gregor. Zuerst konnte er ihn unterdrücken, doch dann brach es aus ihm heraus. Die Bewegung des silbernen Dings erstarrte. 
Zuerst geschah nichts, doch dann setzte sich dieses Ding in Bewegung und steuerte auf Gregor zu, der nun zu wimmern anfing. Die silberne Flüssigkeit kroch langsam über seine regungslosen Beine hinweg und überzog sein Unterleib sanft mit Fäden. Er schnellte reflexartig mit den Händen nach oben um es abzuwehren, jedoch durchtrennte dieses Ding einfach seine Knochen und Sehnen. Gregor schrie aus Leibeskräften, seine Hände plumpsten einfach zu Boden. Er schloss für einen Bruchteil von Sekunden seine Augen. Kaum öffnete er sie wieder, sah er sein eigenes Gesicht. Das metallene Ding hatte sich vor ihm aufgebaut und beobachtete Gregor neugierig. Gerade als er erneut schreien wollte, schoss die Flüssigkeit in seinem Mund und füllte seine Lunge und Organe vollständig aus. Er zuckte noch einige Mal kräftig, bevor es endgültig in seinem Körper verschwunden war. 


Fortsetzung folgt........ 


Folge 2

Erstkontakt



Geheimbasis, Russische Föderation, 13:36 Uhr

Vladimir Pawlow packte seine Ausrüstung zusammen. Sein Einsatzbefehl kam überraschend vor einer Stunde. Während er sich seine Kampfmontur überstreifte, fiel sein Blick auf den blinkenden Bildschirm, der das Symbol des russischen Geheimdienstes FSB zierte. Er war für den Einsatz von schweren Waffen autorisiert worden, was Vladimir etwas verwunderte. Beim ersten Briefing wurden ihm Koordinaten mitgeteilt, die sich mitten im Worskla Wald befanden. Was zum Teufel sollte er an diesem beschissenen Ort? Auch wenn die politische Stimmung mit dem Nachbarland, der Ukraine, aktuell sehr angespannt war, befand sich das Einsatzgebiet dennoch auf russischen Boden. Um 1400 sollte ein MI-35M ihn und sein fünfköpfiges Team einsammeln und zehn Kilometer von den Zielkoordinaten entfernt auf einer Lichtung absetzen. Im Schutz der Bäume würden sie dann ein Lager aufschlagen und sich bei Dunkelheit im Wald unbemerkt fortbewegen.
Vladimir checkte sein Nachtsichtgerät und überprüfte die Munitionskammer seiner Jarygin Pja, einer Standartwaffe des Russischen Militärs. Zufrieden steckte er die Pistole in seinen Halfter und streifte sich seinen Rucksack über die Schulter. Er nahm den Touchscreen in seine Hände und verschaffte sich über einen integrierten Irisscanner im Gerät einen Zugang zum Inhalt.
Ein Bestätigungscode huschte über den Bildschirm, der Pawlow´s Identität bestätigte. Danach ploppte ein weiteres Fenster auf, und nun war seine Neugier geweckt. Vladimir setzte sich auf seine Metallpritsche und las aufmerksam den Einsatzbefehl durch.


Operation Dunkler Bär/ Bergungsmission
Zielkoordinaten: N 50°34,51362/ E35°45,00654
Das Zielobjekt 56K7 aufspüren und sichern. 
Vladimir tippte auf das Zielobjekt.
Ein weiteres Fenster öffnete sich. Der Zugriff zu diesen Daten war beschränkt.
Objekt 56K7....Absturz Worskla Wald.
Herkunft unbekannt.
Feindlicher Angriff westlicher Staaten...unbekannt.
Größe unbekannt.
Risikoeinstufung hoch.


Vladimir scrollte zum Anfang zurück und pfiff leise durch seine Zahnlücke als er sein zugewiesenes Einsatzteam betrachtete.


Olga Koretschenko, Biologin.
Andrej Ragow, Astrophysiker.
Alexej Iwanow, Einsatzkommando Senezh, Infanterie und Spionageabwehr.
Iwanova Popow, FSB, Aufklärung und Sabotage.
Malek Orlow, SSO, Infanterie und Aufklärung.


Was zum Teufel sollten die beiden Zivilisten in seinem Team? Sie waren ein Risikofaktor um die bevorstehende Mission erfolgreich abschließen zu können. Außerdem hatte er bereits schon mit Orlow und Iwanow heikle Missionen bestritten. Warum wurde ihm heute Iwanova Popow zugewiesen? Es gab unzählige Namen, gute erfahrene Kämpfer, denen er sein Leben zu 100 Prozent anvertraut hätte. Und eine Bergungsmission in einer Nacht- und Nebelaktion durchzuführen, ließen ihn ebenfalls nur noch skeptischer werden. Jedoch einen Befehl zu hinterfragen war nicht seine Art gewesen, und bald würde er seine Antworten erhalten.
Vladimir schaute auf seine Uhr, noch zehn Minuten, bevor er zum Landeplatz aufbrechen musste.
Всему своё время. 
Alles zu seiner Zeit.
Er hatte ein ungutes Gefühl in der Magengegend, welches ihm bisher immer die Haut gerettet hatte.
Er verließ seine Unterkunft, um noch einige persönliche Dinge zu regeln, nur für den Fall, dass er von dieser Mission nicht mehr lebend zurückkehren würde.

Ein ohrenbetäubender Lärm donnerte über die Basis hinweg als ein Hubschrauber zur Landung ansetze. Orlow und Iwanow trugen routiniert eine Munitionskiste zum Landeplatz, gefolgt von Popow und den beiden Wissenschaftlern. Jeder von Ihnen trug eine vollständige Kampfmontur und hatte eine AK- 74M auf den Rücken geschnallt. Vladimir prüfte ein letztes Mal seine Ausrüstung, bevor er zu seinem Team aufschloss. Der Hubschrauber war bereits gelandet, seine Rotoren jedoch liefen noch immer auf Hochtouren. Die Kabinentür wurde geöffnet, und ein uniformierter Soldat der Bordbesatzung winkte ihnen eifrig zu.
>> Los, beeilt euch!<<, ermutigte Vladimir seine Begleiter, die ihre Schrittgeschwindigkeit erhöhten.
Beim Hubschrauber angekommen stemmten Orlow und Iwanow die Metallkiste auf die Kante der Eingangsluke, bevor sie die Seilsprossen zu fassen bekamen und sich mit einem kräftigen Ruck an Bord zogen.
Iwanova Popow, Vladimir schätzte ihr Alter auf Mitte Zwanzig, schaffte es mit einem kurzen Sprung direkt in die Kabine. Ihre Bewegungen waren graziös, und sie schien körperlich in Bestform zu sein.
Unbeholfen hingegen wirkten die beiden Wissenschaftler, die unter dem Gewicht der Ausrüstung keuchten. Immer wieder verfehlten sie die ihnen entgegen gestreckten Hände des Soldaten, der jetzt genervt heruntersprang und den unbeholfenen Zivilisten mit aller seiner Kraft beim Einsteigen half.
Vladimir konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und klopfte dem Soldaten kräftig auf die Schulter.
>> Ich komme klar, Leutnant! Abflug um 1400!<<
>> Jawohl Major Pawlow! <<
Der Soldat salutierte und nachdem Vladimir eingestiegen war, verschloss er die Eingangsluke.
Jedes Teammitglied saß bereits auf seinem Platz und legte sich den Dreipunktgurt an. Das Fluggerät setzte sich in Bewegung, und das Dröhnen der Motoren nahm deutlich zu. Sämtliche Konsolen vibrierten.
Olga und Andrej tauschten sich irritierende, ängstliche Blicke aus, was dem restlichen Team nicht entging.
>> Hoffentlich stürzen wir nicht wieder ab! Das Schlimmste sind die Bäume und wilden Tiere, die dir dann noch den Rest geben. <<
Iwanow hoffte mit diesem kleinen Scherz die Atmosphäre etwas zu entspannen, jedoch änderte sich Andrej`s Gesichtsfarbe schlagartig. Vladimir griff unter seinen Sitz und reichte ihm eine Papiertüte.
>> Kotzen sie hier rein! <<
Er nahm die Tüte an sich und übergab sich mehrmals. Iwanow grinste breit und Orlow rümpfte angewidert die Nase.
Vladimir beobachtete die Biologin, die sich in einer Art Schockstarre befand und keinen Laut von sich gab. Popow hingegen wirkte kühl und abgeklärt, und trotz ihrer dunkelbraunen Augen konnte er nur erahnen, wer diese Person wirklich war. Laut ihrer Akte war sie seit ihrem siebzehnten Lebensjahr beim FSB und in vielen heiklen Missionen im Einsatz gewesen. Mit 23 Jahren erhielt sie als jüngste Agentin den Orden “Held der Russischen Föderation“. Verdammt, egal was sie geleistet hatte, er hasste es „Fremde“ in seinem Team zu haben. Er blickte ihr tief in die Augen und konnte ein schwaches Lächeln auf ihren Lippen erkennen. Er nickte ihr zu und wandte sich an den Rest der Gruppe.
>> Alle mal herhören! Ich bin Major Vladimir Pawlow, der Befehlshaber dieser Bergungsmission.
Sie werden viele Fragen haben, die ich ihnen später beantworte. Aktuell halten wir Funkstille bis wir das Zielgebiet um 1430 erreichen. Außerdem möchte ich ihnen mitteilen, dass wir uns in einem der modernsten Hubschrauber der Russischen Föderation befinden. Iwanow lachte lautstark los, erstarb aber augenblicklich als Vladimir ihn scharf ansah. 
>> Diese Mission unterliegt der Geheimhaltung, und wer nicht als Kriegsverbrecher vor einem Militärgericht enden möchte, sollte sich im Klaren sein, was er nach außen trägt und was nicht.
Keine Alleingänge während der Mission. Wer sich nicht an meine Regeln hält, den erschieße ich höchstpersönlich. Haben Sie das alle verstanden? <<
>> Jawohl Major Pawlow!<< ertönte es im Chor.
>> Gut, dann ruhen sie sich jetzt aus, sie werden ihre Kraftreserven später noch brauchen. <<
Vladimir war mit seiner Ansprache zufrieden. Er musste von Anfang an die Zügel straff halten, ein Scheitern der Mission kam für ihn nicht infrage. 
Der Hubschrauber donnerte über den Wald und reduzierte seine Flughöhe auf 150 Meter. Die Bäume kamen ihnen verdammt nahe, sie hatten das Zielgebiet erreicht. Der Himmel war bewölkt. Hin und wieder verirrten sich ein paar Sonnenstrahlen in den Baumkronen. Es herrschte eine angespannte Stimmung in der Kabine, die durch eine Lautsprecherdurchsage des Piloten unterbrochen wurde.
>> Ankunft um 1435. Landezeit maximal fünf Minuten.<<
Vladimir löste seinen Gurt und griff nach seinem Rucksack, der über ihm in einem Transportnetz verstaut war.
>> Iwanow und Orlow, sie sichern das Gelände sobald wir gelandet und ausgestiegen sind.
Popow, sie bleiben bei Koretschenko und Ragow. Sie sind für ihre Sicherheit und Gesundheit verantwortlich. Ich hoffe, sie können das leisten, was man so über sie sagt.<<
Popow schaute Vladimir scharf an und salutierte übertrieben.
>> Jawohl Major Pawlow! <<
>> Wir landen nicht unmittelbar im Zielgebiet sondern rund zehn Kilometer Nordöstlich. Wir sind für rund 300 Meter völlig schutzlos und müssen zu Fuß in den Wald laufen. Dort sammeln wir uns und besprechen den weiteren Ablauf der Operation. <<
Vladimir wand seinen Blick zu den beiden Wissenschaftlern.
>> Ihnen ist bewusst, dass es sich hierbei um eine militärische Operation handelt. Wenn sie Hilfe benötigen, wenden sie sich an Popow. Wenn sie Durst haben, wenden sie sich an Popow. Wenn sie scheißen müssen, wenden sie sich an Popow. Bleiben sie in Deckung und überlassen sie uns den Rest. Warum auch immer Zivilisten mit an Bord sind, sie haben ihre Gründe, und ich muss dafür sorgen, dass sie als ganzes Stück zum Einsatzort kommen. <<
Somit war alles gesagt. Der Rest des Teams schnallte sich ebenfalls ab und machte sich bereit zum Ausstieg. Der Hubschrauber ging in den Sinkflug über, bis sich unter ihnen eine zwei Quadratkilometer große Lichtung auftat. Er verlangsamte seine Fluggeschwindigkeit und begann mit der Landung.
Eine grüne Lampe signalisierte den Soldaten einen gefahrlosen Ausstieg.
Iwanow und Orlow nahmen augenblicklich ihre AK-74M in die Hand und verließen als Erstes den Hubschrauber.
>> Gelände gesichert!<<, dröhnte es von draußen, was bei dem Lärm der laufenden Motoren fast untergegangen wäre. Als nächstes setzten sich Koretschenko und Ragow in Bewegung. Popow ließ die Beiden keinen Augenblick aus den Augen und prüfte mit ihrer Waffe sorgfältig die Umgebung.
Der Leutnant half Vladimir Waffen und Vorräte zu entladen. Danach salutierte nochmals der Soldat, was Pawlow erwiderte. Die Kabinenluke des Hubschraubers wurde mit einem kräftigen Ruck von innen wieder verschlossen, und die Maschine entfernte sich mit lauten Getöse allmählich von der Gruppe.
>> Koretschenko und Ragow, sie nehmen die Munitionskiste, Popow, helfen sie mir mit den Vorräten! <<
Dann setzte sich das Team in Bewegung. Die Wissenschaftler ächzten unter dem Gewicht der Kiste und stolperten immer wieder unbeholfen über kleine modrige Baumstümpfe. Allerdings verrichteten sie sorgfältig die ihnen zugewiesene Aufgabe ohne sich auch nur einmal zu beschweren.
Vladimir prüfte eine kleine laminierte Karte und gab kurze Befehle an Orlow weiter, der einen Baumbestand am Rand der Lichtung zusteuerte. 
>> 150Meter östlich, dann nach 500 Metern sammeln und Lagebesprechung! <<
>> Jawohl Major Pawlow<<, rauschte es kurz in Vladimir´s Headset. 
Nach 10 Minuten erreichten sie den Waldrand und kämpften sich durch dornige Büsche und moosbewachsene Bäume. Langsam legte sich ein dichtes Blätterdach über ihre Köpfe, und nach weiteren zehn Minuten gab Vladimir den Befehl, eine kurze Pause einzulegen. 
Schwielen zierten Olgas rechte Hand als sie die Munitionskiste auf den Waldboden absetzte. Wortlos setzten sich die beiden Wissenschaftler zusammen, während der Rest der Gruppe die Umgebung genau beobachteten.
>> Der Ort ist es perfekt.<<, bemerkte Vladimir beiläufig.
>> Wir schlagen hier unser Lager auf und werden um 2300 die Mission fortsetzen <<
>> Iwanow und Orlow, sie sichern das Lager. Installieren sie rundherum Stolperdrähte und Sprengfallen! Wenn wir ungebetene Gäste bekommen, möchte ich das als erstes wissen.<<
Olga und Andrej schauten sich fragend an.
>> Um 1600 werde ich ihnen alle Details der Mission erläutern, haben sie bitte dafür Verständnis, dass zuerst noch einige Vorbereitungen nötig sind. Popow sie kommen mit mir und jagen etwas Essbares. Von diesem Dosenfraß, den sie uns mitgegeben haben, wird man nie satt. <<
Vladimir tippte mit seinem Zeigefinger auf sein Jagdmesser, was er bei jedem Einsatz mit sich trug.
Er blickte zu Olga und Andrej herüber.
>> Sie bleiben jetzt genau dort wo sie gerade sitzen. In einer Stunde sind wir wieder da! Sollten sie Probleme bekommen, dann nutzen sie das hier,<<
Vladimir warf ihnen ein Funkgerät zu.
>> Anschalten, Kanal 33 einstellen und Sprechtaste drücken. Das ist alles. <<
Olga nickte und nahm das Gerät an sich.
>> Gut, dann hat jetzt jeder seine Aufgabe, und wir treffen uns wieder zur vereinbarten Zeit im Lager.<<
Nachdem alle Soldaten im Dickicht verschwunden waren, warteten Andrej und Olga noch 20 Minuten. Olga öffnete ihre Jacke vorsichtig und ertastete einen kleinen ovalen Ohrenstöpsel, den sie in einer eingenähten Innentasche versteckt hatte. Sie aktivierte den Aufzeichnungsmodus.
>> Wir sind angekommen. Kein Kontakt mit Objekt 56K7. Fauna und Flora im Normalbereich, keine Abweichungen. Datum der Aufnahme: 18.03.2013, Uhrzeit: 15:10 Uhr.<<
Andrej schaute zu ihr herüber und schüttelte seinen Kopf.
>> Denkst du, das ist eine gute Idee? Wenn sie dich erwischen, dann stellen sie dich gleich an die Wand.<<
Olga hielt inne und steckte den Stöpsel wieder in ihre Innentasche.
>> Das ist meine Lebensversicherung Andrej! Glaubst du wirklich, die lassen uns einfach wieder gehen, wenn sie das haben was sie wollen? Du weißt was hier läuft, eine Bergungsmission? Die verkaufen uns für dumm!
Olga verstummte.
Vor ihnen raschelte es im Wald als Orlow mit dem Maschinengewehr im Anschlag von seiner Mission zurückkehrte. Er wirkte zufrieden und nickte kurz mit dem Kopf. 
>> Iwanow bastelt noch etwas Schönes. Sie sollten hier bleiben und nicht planlos in der Gegend herumstolpern.<<
Dabei hielt er beide Hände hoch und ließ ein langes Buuuum über seine Lippen entweichen.
>> Machen sie sich nützlich, und legen sie etwas trockenes Holz hier an diese Stelle.<<
Orlow zeigte mit der Mündung seiner Waffe auf eine freie Stelle am Boden, die jetzt als Feuerstelle dienen sollte.
>> Der Major wird bald zurück sein, und wir wollen doch das Dinner nicht verpassen oder?<<
Orlow lachte und setzte sich ein paar Meter abseits auf einen Baumstumpf, um Andrej und Olga besser beobachten zu können. Dabei zog er eine Zigarette aus seiner Brusttasche und zündete sich diese mit einem Sturmfeuerzeug an.
>> Wollen sie auch? <<, wollte er wissen und hielt den glimmenden Zigarettenstumpf vor sich her. Beide lehnten dankend ab.
>> Gut, dann bleibt mehr für mich!<<
Erneut lachte Orlow auf, nahm einen tiefen Zug und paffte den Rauch zur Seite weg.
>> Dich hört man schon über einen Kilometer! Ich warte auf den Tag, an dem sie dir einfach mal die Rübe wegballern! <<
Hinter Orlow erschien Iwanow, der sich die Zigarette schnappte und heftig daran zog. Danach schnippte er den Rest zu Boden.
>> Du bringst dich noch um mit diesem Zeug! <<
Zuerst protestierte Orlow, doch dann hielt er schon bereits eine weiter Zigarette in seiner Hand.
>> Du bist ja nicht meine Mutter oder?<<
Iwanow klopfte ihm auf die Schulter und murmelte leise aber noch hörbar:
>> Gott sei Dank ist mir das erspart geblieben.<<
Andrej unterbrach die Beiden und warf mehrere trockene Äste vor Orlow´s Füße.
>> Das ist alles, was wir gefunden haben. Reicht das für ihr romantisches Lagerfeuer? <<
>> Wir werden sehen.<< stellte Orlow unbeeindruckt fest und erhob sich langsam. 
>>Lassen sie uns ein kleines Feuer machen, bevor der Major zurückkehrt. Ach, und bringen sie das Holz mit, sie wissen ja wo ich es haben wollte.<<
Damit ließ Orlow Andrej stehen. Dieser Punkt ging an ihn.


Vladimir und Iwanova harrten seit 20 Minuten in ihrem Versteck aus und beobachteten eine kleine Herde Rehe, welche sich zwischen den Sträuchern aufhielt. Vladimir zählte zwei Jungtiere und fünf ausgewachsene Exemplare. Mit kurzen Gesten signalisierte er Iwanova seinen Plan und zog ganz sachte sein Jagdmesser aus der Halterung seines Gürtels. Sie nickte kurz und entfernte sich mit leisen Schritten von ihrer aktuellen Position. Vladimir pirschte sich vorsichtig an die Herde heran und als er gerade einen Strauch zur Seite drücken wollte, zischte ein Messer an ihm vorbei und traf eines der Elterntiere tödlich. Die restlichen Tiere ergriffen augenblicklich die Flucht und sprangen mit krachenden Geräuschen in das Unterholz des Waldes. Iwanova tauchte neben dem toten Reh auf, entfernte das Messer und schnitt zur Sicherheit noch die Kehle des Tieres durch.
Vladimir war beeindruckt. Er erhob sich aus seiner Stellung und ging zu ihr herüber.
>> Glückwunsch Major Popow, das sollte für uns alle reichen.<<
Iwanova grinste vor sich hin und säuberte akribisch die Klinge ihres Messers.
>> Unterschätzen sie nicht meine Fähigkeiten, Major Pawlow!<<
Sie schaute ihm in die Augen, und er erkannte in ihnen Freude. Sie genoss gerade diese Situation, und Vladimir war sich sicher, dass sie nicht zum ersten mal getötet hatte. Er musste sie im Blick behalten, wer weiß zu was sie noch alles im Stande war. Er band die Vorder- und Hinterläufe des Tieres mit einem Nylonseil an einem massiven losen Ast fest, um den toten Körper durch den Wald tragen zu können. Trotz des Gewichts, Vladimir schätzte es auf ungefähr 30 kg, verzog Iwanova keine Miene als sie zusammen das erlegte Reh zum Lager trugen. Iwanow gab Vladimir die genauen Positionen der Sprengfallen über den Funk durch. Kurz vor 16 Uhr betraten sie dann das provisorisch eingerichtete Lager und legten den toten Körper des Tieres neben das lodernde Feuer ab. 
>> Iwanow machen sie was draus! <<
Ohne mit der Wimper zu zucken, entfernte Iwanow die Schnüre an der provisorische Trage, die er dann achtlos in das nächste Gebüsch warf. Danach hob Iwanow das Reh vom Boden auf und befestigte es an einem massiven, abstehenden Ast. Der Kopf des Rehs baumelte knapp über den Boden. Dann schnitt er mit seinem scharfen Messer in die Hinterläufe des Tieres, um das Fell fein säuberlich vom Körper zu trennen. Als er den Bauch aufschnitt, um die Innereien zu entfernen, rannte Andrej hinter die Feuerstelle und kotzte sich die Seele aus dem Leib. Olga drehte angewidert ihren Kopf zur Seite und starrte in die Flammen. Iwanow lachte und zerlegte das Reh anschließend in mehrere Stücke. Während er das Fleisch noch in kleinere Portionen schnitt, bereitete Orlow schon einen Naturgrill vor. Er schnitt die Äste eines Haselnussstrauches klein und legte sie kurz ins Feuer, um sie dehnbarer zu machen. Anschließend flocht er kleinere Äste mit ein, damit es am Ende einen stabilen Naturrost ergab. Iwanow legte das Fleisch direkt in die Mitte des Rostes. Pawlow nickte zufrieden in die Runde und bat alle Teammitglieder darum, sich an der Feuerstelle einzufinden. Andrej, der noch immer ganz grün im Gesicht war, setzte sich etwas abseits des Feuers auf einen Baumstumpf. Vladimir ließ seinen Blick über die Gruppe schweifen, bevor er über die Mission zu sprechen begann.
>> Was ich ihnen jetzt zu sagen habe, unterliegt der strengsten Geheimhaltung. <<
Erneut schaute er in die Augen seines Teams, Pawlow wurde ernst.
>> Unsere ursprüngliche Mission, die Bergung des Objektes 56K 7, ist den offiziellen Behörden 
bekannt. Sie gehen von einem abgestürzten Spionagesatellit der Amerikaner aus und haben Sorge, dass sich die Ukrainer zusammen mit den westlichen Alliierten die aufgezeichneten Daten zurückholen. <<
Andrej, der sich wieder gesammelt hatte, hob seine Hand.
Vladimir nickte ihm zu.
>> Wir sind aber von keiner offiziellen Behörde oder?<<, stellte Andrej nüchtern fest.
>> Sie haben es erkannt Ragow! Mein Team wird in der Regel einberufen, wenn die Scheiße schon am kochen ist oder eine unklare Situation herrscht. <<
>> Unklar? <<, unterbrach ihn Olga zögerlich.
>> Jetzt wird es spannend. << , murmelte Iwanow vor sich her, der noch immer das Fleisch behutsam hin und her wendete.
Pawlow holte tief Luft, bevor er fortfuhr.
>> Wir wissen nicht, was da abgestürzt ist. Was auch immer es war, das Objekt tauchte kurz vor 01:25 Uhr auf unserem Radarschirm auf, bis wir es bei Belgorod wieder verloren haben. Mit unserem Aufklärungssatellit Swesda, der zu diesem Zeitpunkt über der Region verfügbar war, haben wir einen Aufschlag im Worskla Wald registriert. Die Waldfläche von rund einem Quadratkilometer stand für zirka vier Stunden in Flammen. Einsetzender Regen hatte den Brand glücklicherweise gelöscht, somit konnten wir das Zielgebiet noch exakter einkreisen. Wir haben eine ungewöhnliches Objekt ausfindig gemacht, was wir trotz eines Bildabgleiches mit unserer Datenbank, noch nicht identifizieren konnten. Der FSB ist sehr emsig was das Aufspüren von neuen Technologien und innovativen Erfindungen angeht. <<
Sein Blick fiel auf Iwanova, die sich ein breites Grinsen nicht verkneifen konnte.
>> Nur hier sind sich alle der oberen Führungsriege einig. Entweder handelt es sich um ein völlig neues Waffen- oder Spionagesystem oder..<<, Pawlow überlege kurz.
>> Oder es handelt sich um außerirdische Technologie?<<, gab Andrej von sich, der sich jetzt von seinem Baumstumpf erhoben hatte.
>> Korrekt. <<, erwiderte Pawlow.
>> Daher haben sie und Koretschenko die Ehre unsere Mission mit zu unterstützen. Wir wissen weder was da im Wald abgestürzt ist, ob Gefahr davon ausgeht und wir es unbedenklich bergen können. Und wenn man mir den Einsatz von schweren Waffen autorisiert, dann wird das nicht nur ein einfacher Spaziergang. <<
>> Glaubst du an diesen Quatsch?<<, fragte Orlow Vladimir.
Vladimir zuckte mit den Schultern.
>> Wir haben schon so viel Scheiße gesehen, warum nicht auch kleine grüne Männchen? <<
Orlow lachte auf und streckte seinen Finger dem Himmel entgegen. 
>> Ich Orlow, ich mit meiner Frau telefonieren.<<
Die Soldaten lachten, nur Andrej runzelte nachdenklich die Stirn.
>> Und wenn was dran ist? Ich meine, die Amerikaner hatten schon nachgewiesene Kontakte, unerklärliche Phänomene. Warum bauen sie Area51 oder machen Piloten Mundtot, die Dinge gesehen haben, die rein wissenschaftlich nicht zu erklären sind? <<
Olga schüttelte den Kopf.
>> Wir haben doch schon unzählige Planeten erforscht, Bodenproben entnommen und sind immer wieder zum gleichen Entschluss gekommen. Es existieren dort maximal Mikroben oder Kleinlebewesen. Die schicken keine Raumschiffe los oder entführen Menschen. Das ist rein wissenschaftlich gesehen völliger Quatsch. << 
Iwanow bot jedem Einzelnen etwas Fleisch an. Außer Andrej nahm jeder ein Stück und nagte mehr oder weniger daran herum.
Andrej schüttelte energisch den Kopf.
>> Wir haben gerade mal einen Bruchteil unseres Sonnensystems erforscht. Ich würde mir nie anmaßen zu behaupten, dass es keine höher entwickelten Organismen da draußen gibt. Ich meine, wir Menschen sind im Weltall zu hören und zu sehen und schicken permanent Einladungen in alle Richtungen des Systems. Es ist doch nur noch eine Frage der Zeit, bis man auf uns aufmerksam wird oder? <<
Orlow kaute auf dem Fleisch herum und brachte ein paar unverständliche Worte hervor.
Andrej sah ihn an.
>> Egal ob amerikanisch, europäisch,chinesisch oder außerirdisch, wir werden das Ding finden, einsammeln und mit nach Hause nehmen. Alles andere interessiert mich nicht, dafür seid ihr Superspezialisten da. <<
Orlow grinste breit über das Gesicht und biss ein weiteres Stück ab.
Vladimir lauschte angespannt der Diskussion und übernahm wieder das Zepter.
>> Was auch immer uns erwartet, das Missionsziel lautet, das Objekt 56K 7 zu finden und unversehrt zu den Abholkoordinaten zu bringen. Koretschenko, sie und Ragow prüfen das Objekt vor Ort ob wir es gefahrlos bergen und abtransportieren können. Egal, was uns erwartet, halten sie alle Augen und Ohren offen. Ich möchte über noch so jede kleine Unregelmäßigkeit informiert werden. <<
Eine Explosion in unmittelbarer Nähe des Lagers ließ den Boden unter ihnen erzittern. Bevor Vladimir realisieren konnte was soeben geschehen war, fegte eine zweite Explosion ihn von den Füßen. Seine Ohren klingelten, und er nahm verschwommen dichten Rauch wahr. Er versuchte aufzustehen, was ihm erst beim zweiten Anlauf gelang. Nachdem sein Verstand zurückkehrte, schrie er augenblicklich Iwanow und Orlow Befehle zu. Popow setzte sich ebenfalls, überrascht von dem Angriff, sofort in Bewegung, um die beiden Wissenschaftler zu schützen. Für Andrej kam jede Hilfe zu spät, sein Gesicht war nur noch eine breiige Masse gewesen, jegliches Leben war von ihm gewichen. Er musste in unmittelbarer Nähe des Explosionsherdes gestanden haben. Olga kauerte zehn Meter entfernt am Boden und hielt sich ihren blutigen Arm. Popow verband die tiefe Fleischwunde augenblicklich mit einem Stück Stoff ihres Shirts, bevor sie die Wissenschaftlerin hinter einen Baum zerrte. Pawlow löschte das Feuer und ging ebenfalls hinter einen Baumstamm in Deckung. Was auch immer die Sprengfallen ausgelöst hatte, war in ihr Lager eingedrungen und wusste nun über die Anwesenheit seines Teams Bescheid. Vladimir musste jetzt die richtigen Entscheidungen treffen. Wenn er jetzt nicht aufmerksam blieb, bedeutete das den Tod seiner Kameraden sowie das Scheitern der Mission.


Fortsetzung folgt.......